Fernwandern ist ein Abenteuer auf Zeit

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REGENSBURG. (obx) - Der Goldsteig führt in zwei Varianten durch den Oberpfälzer und Bayerischen Wald nach Passau und passiert fünf Naturparke sowie die Nationalparke Bayerischer Wald und Sumava auf tschechischer Seite. Zusammen mit dem 289 Kilometer langen tschechischen Bruderweg, den Querverbindungen und Alternativrouten liegt ein über 2.000 Kilometer langes, internationales Wanderwegenetz mit 13 Grenzübergängen über dem Waldgebirge. Neben Fernwanderungen sind auf vielen Etappen auch Rundtouren oder Sternwanderungen möglich.

Michael Körner ist Wegemanager beim Tourismusverband Ostbayern und erzählt im Interview, wie er den Qualitätswanderweg Goldsteig akribisch geplant und umgesetzt hat.

Sie sind passionierter Fernwanderer und haben einen reichen Erfahrungsschatz rund um das Wandern. Was bedeutet es für Sie, Wegemanager eines solch grandiosen Wegenetzes zu sein?

Michael Körner: Ich kenne das Wegenetz des Oberpfälzer Waldes und Bayerischen Waldes wie meine Westentasche, da ich den Goldsteig von Anfang an geplant, umgesetzt und eigenhändig in Zusammenarbeit mit allen Partnern installiert habe. Es war eine Herausforderung und etwas Besonders. Es erfüllt mich nach 14 Jahren schon mit etwas Stolz, Deutschlands längsten, zertifizierten Wanderweg hinbekommen zu haben. Und ganz besonders freue ich mich, dass er von unseren Wanderern intensiv angenommen und geschätzt wird. Heute bin ich nicht nur Wegemanager, sondern auch Berater und Ansprechpartner für alle Belange rund um das Wandern und vor allem das Fernwandern.

Sie sind ein begeisterter Fernwanderer. Ist es anders, einen Fernwanderweg mehrere Tage oder gar Wochen durchzulaufen im Vergleich zu Tagestouren?

Michael Körner: Es ist wirklich etwas ganz anderes Tagestouren oder Fernwanderungen zu unternehmen. Fernwandern will geplant sein. Dies beginnt von der Idee über die individuelle Tourenplanung bis hin zum Wandern selbst. Länger unterwegs zu sein bietet einem das intensivste Erleben einer Region, von Begegnungen mit anderen und mit sich selbst. Gleichzeitig erfordert es aber auch die Bereitschaft, sich widrigen Wetterverhältnissen zu stellen, was aber die Eindrücke und die persönliche Veränderung, die der wiederkehrende Rhythmus in einem bewirkt, über alles wett macht. Fernwandern ist ein Abenteuer auf Zeit. Tagestouren haben andere Beweggründe als Fernwanderungen. Meist sind es kurze Auszeiten vom Alltag und Schönwettertouren. Sie führen zu den touristischen Sahnestückchen einer Region.

Kann man eine so lange Tour gut vorplanen oder muss man auch mit Überraschungen rechnen?

Michael Körner: Lange Touren können heute sehr gut vorgeplant werden und ich würde auch jedem empfehlen gründlich zu planen, vor allem seine Etappen und Unterkünfte. Überraschungen sind nie ausgeschlossen, machen eine Fernwanderung aber auch spannend. Am Goldsteig kann man die Broschüre Etappenplaner dafür nutzen oder die Route im Internet mit dem Tourenplaner individuell zusammenstellen. Ich nutze die Möglichkeit, vorher online zu buchen. Das ist komfortabel und ich kann mir die gewünschten Unterkünfte bewusst auswählen.

Was waren oder sind Ihre stärksten Erlebnisse und Eindrücke am Goldsteig?

Michael Körner: Die eindrucksvollsten Erlebnisse ergeben sich, wenn ich Zeit habe. Jeden Schritt bewusst wahrnehmen und die kleinen Dinge am Wegesrand zur Kenntnis nehmen, das ist mein Hochgefühl. Jede Wanderung bleibt ein Unikat in seiner eben stattfindenden Form.

Gefühle hängen von eigenen Stimmungen ab und äußern sich unterschiedlich. Einmal können es die Farben des Herbstes sein, welche faszinieren, das andere Mal eine erlebbare Weite, wo das Auge zur Ruhe kommt. Auf dem Goldsteig kann jeder vielfältigste Erfahrungen und Eindrücke sammeln. Momente von Glück können Augenblicken von Traurigkeit gegenüberstehen. Das erhebende Gefühl, seine Fernwanderung gemeistert zu haben, kann aber auch die Frage aufwerfen, warum man das eigentlich macht.


Haben Sie einen besonderen Tipp für Leute, die einmal den Goldsteig als Fernwanderweg durchwandern wollen?

Michael Körner: Genießen und offen sein, für das was einem auf einer Tour begegnet. Ist man einmal losgelaufen, dann sollte man sich jede Sekunde bewusst sein, dass man gerade ein weiteres Abenteuer leben und erleben kann und darf. Damit eine Tour zum Genuss wird, ist es wichtig sich selbst zu kennen. Wieviel Kilometer pro Tag möchte ich wandern? Wo gefällt es mir besser, in der weiten Landschaft oder im steten Auf und Ab, entlang eines Flusses oder in den Bergen.

Vieles hängt von den jeweiligen Interessen und Fähigkeiten ab. Wir haben am Goldsteig zahlreiche Variationsmöglichkeiten, unterschiedliche Landschaftsbilder und die Möglichkeit, vielfältige Wegekombinationen zu wählen, das ist einzigartig. Meine Erfahrung: Wanderungen können einem sehr viel lehren, wenn man mit wachen und offenen Augen für Neues aufgeschlossen unterwegs ist.

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Michael Körner, Wegemanager Goldsteig beim Tourismusverband Ostbayern e.V. Foto: obx-news/Tourismusverband Ostbayern
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