UKR-Delegation im Hygieneeinsatz in Nepal

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REGENSBURG. Mediziner und Pflegekräfte des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) kooperieren mit dem Dhulikhel Hospital (DHS) in Nepal um die Rate an vermeidbaren Wundinfekten zu verringern. Eine Delegation aus Regensburg war nun vor Ort, um die bisherige Umsetzung zu überprüfen. Tag für Tag versorgen Pflegekräfte und Ärzte kranke Patienten, forschen an neuen Therapien und geben ihr Wissen an Studierende weiter.

Doch was für das medizinische Team hierzulande selbstverständlich ist, stellt die Krankenversorgung in Nepal oft noch vor große Herausforderungen, insbesondere aufgrund der schlechten staatlichen Infrastruktur der Wasser,- und Stromversorgung. Gerade in Hygienefragen, wie der Desinfektion von Händen, Instrumenten und Arbeitsumfeld gibt es noch großes Verbesserungspotential. Die Umsetzung der Hygienebasics ist in Nepal sehr gering. Aufgrund des Klimas sind beispielsweise Schimmel und Feuchtigkeit im Krankenhaus ein großes Problem. „Mit unserem Besuch wollten wir zusammen mit unseren Partnern am DHS vor Ort überlegen, wie wir das Thema Hygiene beim Klinikpersonal noch besser ins Bewusstsein bringen“, erklärt Delegationsleiter Dr. Julian Hupf, Facharzt in der Notaufnahme des UKR. Er und vier weitere Kollegen waren vor kurzem im Himalaya-Staat zu Gast, um zu überprüfen, wie ein Hygienekonzept vor Ort umgesetzt wird, das vor etwa einem Jahr mit zwei Krankenschwestern aus dem DHS erarbeitet wurde, als sie hierfür am UKR hospitierten. Bei ihrem Aufenthalt in Regensburg lernten die Schwestern die Krankenhaushygiene sowie die sterile Instrumentenaufbereitung sowie die hohen Hygienestandards in OP, Intensivstation und Notaufnahme kennen und erhielten zudem wichtige Einblicke in die Patientenversorgung.

Wundinfektionen und postoperative Sterblichkeit größtenteils vermeidbar

Professor Dr. Tobias Renkawitz ist leitender Oberarzt der Orthopädischen Klinik für die Universität Regensburg am Asklepios Klinikum Bad Abbach und Projektleiter der humanitären Hilfsinitiative, unterstützt durch Frau Priv.-Doz. Dr. Michaela Huber, stv. Leiterin der Interdisziplinären Notaufnahme des UKR. Zusammen mit Professor Dr. Bernhard Graf, stv. Vorstandsvorsitzender des UKR, wurde er im Rahmen der Ausschreibung „Klinikpartnerschaft“ für das Hygieneprojekt in Nepal durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ausgezeichnet.

„Ziel unseres Programms ist es, die Infektionsrate nach Operationen im Dhulikhel Hiospital zu senken. Alleine durch die Umsetzung einer grundlegenden Basishygiene kann verhindert werden, dass dort Patienten an vermeidbaren Infekten versterben müssen“, sagt der Gelenkspezialist aus Bad Abbach. Die Hygieneschulung findet im Rahmen einer übergreifenden Kooperation statt, die seit 2015 zwischen dem UKR, der Universität Regensburg und dem DHS besteht. Bisher konnten so medizinische Geräte und medizinisches Know-how nach Kathmandu verbracht werden. Bei ihrem jetzigen Besuch in Nepal konnte die Regensburger Delegation feststellen, dass passende Gerätschaften zur Händedesinfektion nicht vorhanden sind. Angebrachte Desinfektionsspender werden entweder in kürzester Zeit entwendet oder fehlen in entscheidenden Räumen wie etwa dem Aufwachraum gänzlich. Die Akzeptanz einer systematischen Händedesinfektion bei Ärzten und OP-Personal sei im Klinikalltag eine große Herausforderung.

Bei der Situation in der Klinik stieß das interdisziplinäre Regensburger-Expertenteam um Tamara Meier (OP-Pflege), Katrin Fischer (Sterilgutaufbereitung), Josef Hartenberger (Krankenhaushygiene), Dr. Thomas Holzmann (Krankenhaushygiene) und Dr. Julian Hupf manchmal auch ganz ungewohnte Argumentationen, wenn es um die Umsetzung von Hygieneanforderungen ging. „In manchen Bereichen gibt es Schnittstellen mit kulturellem Hintergrund. Stoffbezüge auf einer Patientenliege werden bei uns aus Gründen der Hygiene beispielsweise nicht eingesetzt. In Nepal aber sind Stoffbezüge als kultureller Standard verankert und können nicht so einfach ersetzt werden, obwohl eine Desinfektion der Liegefläche ohne Bezüge einfacher zu handeln wäre und eine Übertragung von Erregern besser einzudämmen wäre“, so OP-Praxisanleiterin Tamara Meier. Auch freiverkäufliche Medikamente sind für die medizinische Versorgung ein Problem. Hygienefachkraft Josef Hartenberger ergänzt: „In Nepal kann man viele Arten von Medikamenten ohne Rezept kaufen – egal ob Kopfschmerztablette oder Antibiotika. Das verringert natürlich die Wirksamkeit der Medikation, weil so immer mehr multiresistente Keime auftreten.“

Seit Beginn des Projekts zeichnen sich aber am DHS bereits viele positive Entwicklungen ab. So laufen zum Beispiel an sämtlichen Computern Regeln zur Händedesinfektion als Bildschirmschoner. Die Empfehlungen zur Händedesinfektion und perioperativen Wundpflege werden ebenso schon in Teilen umgesetzt. „Was uns auffällt ist, dass das medizinische Personal nach und nach die Problematik annimmt und bemüht ist unsere Hilfestellung auch umzusetzen. Sie haben gesehen, dass man bereits mit einfachen Mitteln die Zahl von Krankenhausinfektionen deutlich zurückdrängen und so Leben retten kann“, weiß Dr. Holzmann, stellvertretender Leiter der Krankenhaushygiene am UKR. Für das Regensburger Team steht deshalb fest, dass es sich auf jeden Fall lohnt am Ball zu bleiben und weiter zu unterstützen. Aus diesem Grund wird das Projekt weitergeführt. In einem nächsten Schritt sollen im Laufe des Jahres die nepalesische OP-Leiterin und ein Arzt ans UKR nach Regensburg kommen, um die begonnene Arbeit weiter zu vertiefen.

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Das interdisziplinäre Regensburger Expertenteam mit zwei nepalesischen OP-Schwestern (v.li.): Dr. Thomas Holzmann, Tamara Meier, Katrin Fischer, Josef Hartenberger, Sulekha Shresta, Dr. Julian Hupf und Bedana Maharjan. (Foto: © UKR/Privat)
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