CHAM / NIZZA. Leinen los hieß es am 27. April 2017 wieder für unseren Mitarbeiter Ludwig Magerl. Nach einem Jahr Pause zog es ihn wieder hinaus aufs Meer und diesmal ging es ins westliche Mittelmeer, nämlich nach Spanien. Mit dabei wieder sein Radl, das ihn schon auf vielen Kreuzfahrten begleitet hatte und auch diesmal wieder treue Dienste leistete.
Hier sein Reisebericht, natürlich wie immer sehr persönlich und aus seiner eigenen Sicht.
Mittwoch, 26. April 2017
Los ging es bereits am 26. April mit der langen Nacht-Busfahrt von Regensburg nach Nizza. Vorbei an der Münchner Allianz-Arena, wo der FC Bayern gerade sein Spiel gegen Dortmund verloren hatte. Bei Schmuddelwetter waren wir gestartet, am Brenner Schneegestöber bei knapp über 0 Grad.
Donnerstag, 27. April 2017 Nizza (Frankreich)
Um 14 Uhr trafen wir in Nizza ein, immer noch leichter Nieselregen, aber immerhin schon 13 Grad. Die Einschiffung ging verlief reibungslos und bereits um 17.30 Uhr folgte die obligatorische Seenot-Rettungsübung, die von Kapitän Alberto Tarozzi persönlich überwacht wurde.
Abendessen um 18 Uhr und um 19 Uhr legte die MS Berlin ab und begab sich auf die lange Reise nach Valencia. Dann war noch Zeit die zahlreichen Bekannten zu begrüßen, aber jetzt zeigten sich doch die Strapazen der langen Busfahrt und ich fiel in mein Bett. Mein Schlaf war so tief, dass ich gar nicht bemerkte, dass in der Nacht ein Sturm mit Windstärke 8 ums Schiff tobte mit meterhohen Wellen.
Freitag, 28. April 2017 - Tag auf See - Nizza nach Valencia
Keine Langeweile kam auf der Fahrt nach Valencia auf, das Angebot war wie immer sehr abwechslungsreich: Morgengymnastik, Power Walking, Stretching,
Augenyoga, Bewegung mit Bruno, Spanisch für Anfänger (hier lernte man, dass die Spanier kein 'S' kennen) , Kartenspielen usw. Dazwischen um 11 Uhr Pflichttermin: Thomas Gaitanides (ihr könnt Toto zu mir sagen) stellte das 22-köpfige BR-Team vor mit alten Bekannten (Herbert, Bettina, Karl, Lutz, Bruno, Wolfgang), aber auch einigen Neulingen.
Nur 155 Radler waren gekommen, davon 50 mit E-Bikes. Dazu noch 170 Reisende ohne Fahrrad. Mir war schon gleich aufgefallen, dass sehr viele 'Alte' dabei waren, dazu später mehr... Gleich anschließend wurde die erste Radltour in Valencia besprochen. Nächster Pflichttermin um 17.15 Kapitäns Cocktail Empfang mit Vorstellung der Offiziere. Währenddessen steuerte die Friseuse das Schiff! Warum wohl? Sie kennt sich bestens mit Wellen aus (ha ha ha ein alter Seefahrer-Witz)
Samstag, 29. April 2017 - Valencia (Spanien)
Mit Buenas tardes begrüßten wir Spanien bei der Ankunft im Hafen von Valencia um 7 Uhr und nach dem Frühstück erfolgte bereits um 9 Uhr die Abfahrt zur ersten Radltour in Spanien. Bei herrlichem Sonnenschein führten uns die weiblichen Guides (keine Polizeibegleitung) zuerst durch die Stadt mit herrlichen, futuristischen Bauten. Dann allerdings ging es durch ein Naturschutzgebiet mit Schotterstrecken und unendlich vielen Schlaglöchern.
44,33 km in 3:28 bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,75 km, dann waren wir um 14 Uhr wieder auf dem Schiff, rechtzeitig zum Mittagessen. Sonntag, 30. April Cartagena
Wieder grüßte uns ein sonniger Tag und bereits um 8.45 startete die Radlkolonne. Durch das Erholungsgebiet 'La Manga Mar Menor', vorbei an endlosen Erdbeerfeldern, Zitronenbäumen und Gemüsefeldern. Auf den Höhenrücken zahlreiche Windräder. Immerhin 70 km zeigte der Tacho bei der Rückkehr gegen 14 Uhr an.
Montag, 1. Mai 2017 Malaga
Eine schöne flache Strecke gab es an diesem Tag zu bewältigen, immer am Meer entlang und ohne nennenswerte Steigung. Bei der großen Pause am Mittag nutzten viele die Badegelegenheit und nach der Rückkehr genoss ich erstmals ein Sonnenbad bei 28 Grad. Herrlich war es wieder, den Sonnenuntergang beim Abendessen auf Deck zu genießen.
Dienstag, 2. Mai 2017 Cadiz
Die Königsetappe stand heute an. Leider waren wieder eine grobe Schotterpiste und endlose Schlaglöcher zu bewältigen. Bei 28° war das kein echtes Vergnügen, denn in 5:57 waren immerhin 97,2 km zu bewältigen bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 16,3 km
Mittwoch, 3. Mai 2017 Algeciras
Lange Anstiege und heftigen Gegenwind gab es heute zu bewältigen, und mehrere mussten ihre Grenzen erkennen - ich auch - und ließen sich im Bus hinter den keuchenden Tretern herfahren. Ich stieg zwar später wieder aufs Rad und zischte mit 54 km/h den Berg hinunter. Aber schon hier fasst ich den Entschluss, die Rückfahrt bequemer im Bus zu gestalten. Wohl dem, der ein E-Bike hatte. Wendepunkt war Tarifa, die am südlichsten gelegene Stadt des europäischen Festlandes. Sie empfing uns mit gewaltigem Wind mit riesigen Gischtfontänen vom Atlantik her, aber die anschließenden langen Steigungen musste jeder selbst bezwingen. Da gab es kaum einen Blick hinüber nach Afrika, das an diesem Punkt nur 14 km entfernt lag
Donnerstag, 4. Mai 29017 Motril
Relativ kurz war heute die Strecke, aber ein Berg mit 200 Metern baute sich auf und verlangte schon die letzten Kräfte. Die konnte man um 16 Uhr bei einer 'Festlichen Tee & Kaffeestunde' wieder auffüllen. Irgendetwas schlug sich bei mir allerdings auf den Magen und ich musste später das Abendessen abbrechen und die Kabine aufsuchen. Erst zu vorgerückter Stunde wagte ich mich wieder zu meinen Freunden.
Freitag, 5. Mai 2017 Alicante
Auf Grund der Schwächung am Vorabend musste ich auf die Radltour verzichten. Beim Frühstück gab es für mich Kamillentee, aber zum Mittagessen war ich wieder fit. Dieser Tag auf dem Schiff brachte mir aber viele neue Erkenntnisse, die ich bisher nicht beachtet hatte. Wie schon am Anfang erwähnt waren sehr viele 'Alte' an Bord, Kreuzfahrer, die ohne Rad und ohne sportliche Betätigung dabei waren. Heute waren die sportlichen Radler weg, die noch Aktiven waren per Bus auf Städtebesichtigung und ich war 'allein' mit dem Rest, der den ganzen Tag mit Essen, Kaffeetrinken und Kuchenessen beschäftigt war. Ich kam mir vor wie in einem Altenheim.
Samstag 6. Mai 2017 Mahon / Menorca
Um 11 Uhr legte die MS Berlin im Hafen von Mahon auf Menorca an, der in einer herrlichen Bucht liegt. Da die geplante Radlstrecke nur 35 km betrug, erfolgte der Start erst um 13 Uhr. Durch ein Naturschutzgebiet ging die Fahrt Richtung Norden bis zu einem Leuchtturm. Ein Schwenk auf der Rückfahrt führte zu einer imposanten Burg mit mehreren Kanonen auf dem Bergrücken. Landestypische Spezialitäten wie Wurst, Käse und natürlich auch Liköre konnten nach der Rückkehr verkostet werden, für manche war es zu viel des Guten (!). Mit Josef machte ich mich später auf eine Lokaltour und wir genossen das Flair dieser Region und die laue Nacht. Da wir auf dem Rückweg noch einige Freunde trafen wurde es doch ziemlich spät. Aber das machte gar nichts, denn erst um 7.30 Uhr mussten alle Gäste an Bord sein, da die MS Berlin erst um 8 Uhr den Hafen verlässt und Kurs auf Nizza nimmt, eine Strecke von 500 km (=269,8 Seemeilen)
Sonntag, 7. Mai 2017 Tag auf See, Mahon/Menorca nach Nizza
Keine Langeweile gab es auf der langen Fahrt nach Nizza, das übliche Unterhaltungsprogramm angereichert mit einem Vortrag von Lutz Bäucker und Wolfgang Zander über 200 Jahre Fahrrad, Handtuchfalten und Kreuzfahrtdirektorin Romana verriet zum Abschied das Geheimnis von Omas Apfelstrudel. Dann um 17 Uhr läutete das BR Team mit der Verabschiedung das Ende der Reise ein. Wehmut kam auf, denn Toto konnte nicht versprechen, dass diese Art zu reisen weitergeführt wird.
Montag, 8. Mai 2017 Nizza
Gegen 7 Uhr lief die MS Berlin in den Hafen von Nizza ein und dann wurde es hektisch, von vielen Freunden musste ich mich verabschieden, und pünktlich um 9 Uhr startete der Bus Richtung Heimat. Allerdings wollte uns der Busfahrer noch die herrliche Küstenlandschaft präsentieren und fuhr eine halbe Stunde durch die Ortschaften. Dann war aber plötzlich Schluss, denn an einem Kreisverkehr kam der Bus mit Radanhänger nicht durch und erst nach langwierigem Rückwärtsrangieren konnte unser Fahrer die Rückfahrt antreten und zurück ging es zum Ausgangspunkt Nizza-Hafen. Mit einer Stunde Verzögerung begann dann die lange Heimreise
Zusammenfassung und persönliche Eindrücke
415,2 km gefahren
3076 Höhenmeter
14 935 Kalorienverbrauch
Einmalig war das Wetter, kein Tropfen Regen und mit knapp über 20 ° die ideale Temperatur zum Radeln.
Wie schon erwähnt war der Altersdurchschnitt bestimmt sehr hoch. Der jüngste Teilnehmer Basti mit 2 1/2 Jahren konnte diesen Schnitt nicht beeinflussen, denn es waren auch mehrere über 80 dabei. Diese waren meistens mit E-Bikes ausgestattet. Sogar ein Teilnehmer mit Rollator befand sich an Bord.
Erfreulich waren die netten, neuen Bekanntschaften: Klaus, Claudia, Maria mit Tochter Marlies, Marianne und Franz-Josef und Heidi. Pech hatte mein Kabinenkollege und dicker Freund Josef, der als eifriger Tänzer zwei linke Schuhe mitgebracht hatte, aber auf sein Vergnügen trotzdem nicht verzichtete. Umschwärmt war die hübsche Claudia, aber ihren Schlaf durfte ich bewachen (!)
Sicherheit wurde auch auf dieser Reise groß geschrieben. Zweimal wurden wir bei der Rückkehr in den Hafen genau durchleuchtet und sogar bei der Heimfahrt in Kiefersfelden wollten die Grenzbeamten zuerst unsere Ausweise kontrollieren, verzichteten aber darauf, als sie unsere ehrlichen Gesichter sahen !
Dieses Raderlebnis in Spanien war natürlich sehr schön, aber auch ganz schön anstrengend für mich und es zeigte mir meine Grenzen auf. Die Steigungen waren doch manchmal sehr lange und anstrengend. E-Biker waren da natürlich im Vorteil