REGENSBURG. (obx) - Ihr Wert ist den 240 dunkelgrauen Steinquadern in der Regensburger Altstadt auf den ersten Blick kaum anzusehen: Sie sind Teil des ältesten römischen Bauwerks, das in Deutschland erhalten ist. Es waren die Legionäre Kaiser Marc Aurels, die vor fast 1.900 Jahren diese Steine übereinander schichteten.
Der 'Porta Praetoria' genannte Torbogen war einst der Eingang zu dem römischen Militärlager 'Castra Regina', das Marc Aurel an der strategisch wichtigen Stelle am nördlichsten Punkt der Donau errichten ließ und aus dem später Regensburg entstand. Jetzt wurde eine rund drei Millionen Euro teure 'Frischzellenkur' erfolgreich abgeschlossen. Eine römische Piazza und ein 3D-Modell machen das römische Erbe der zwei Jahrtausende alten Stadt an der Donau für Besucher ab sofort noch eindrucksvoller erlebbar.
Die Porta Praetoria ist für Historiker neben der berühmten Steinernen Brücke und dem gotischen Dom das identitätsstiftende Bauwerk Regensburgs, das seit 2006 zum UNESCO-Welterbe zählt. Neben der Porta Nigra in Trier ist die Porta Praetoria der einzige römische Torbogen in Deutschland, der aus dem zweiten Jahrhundert erhalten blieb.
Das heutige Regensburg war als Stützpunkt der dritten italienischen Legion für die Römer einer der wichtigsten Bausteine ihrer Verteidigungslinie gegen die germanischen Stämme. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Tor jedoch wiederentdeckt. Beim Bau des Regensburger Altstadt-Hotels 'Bischofshof am Dom' wurde es teilweise mit einbezogen. Der Zahn der Zeit hatte an dem Römer-Erbe deutlich sichtbar genagt: Mehr als jeder zweite Quader hatte Risse. Schadstoffe in der Luft - wie Kohlen- und Schwefeldioxid - hatten dem Kalkstein gefährlich zugesetzt. Anfang 2016 startete, in Rekordzeit geplant und genehmigt, eine umfassende, drei Millionen Euro teure 'Frischzellenkur', die jetzt innerhalb des vorgesehenen Zeit- und Kostenrahmens abgeschlossen wurde. Den Löwenanteil der Summe, rund zwei Millionen Euro, stemmte der Bund als 'Nationales Projekt des Städtebaus'. Rund 700.000 Euro brachte der Welterbe Kulturfonds e.V. auf. 'Dies wäre aber ohne eine Förderzusage von 600.000 Euro seitens der Brauerei Bischofshof nicht möglich', sagte Elisabeth Knott vom Verein bei der Vorstellung der renovierten Porta Praetoria.
'Es war uns eine Herzensangelegenheit, dieses römische Juwel erlebbar zu machen', sagte Karl Beck, der kaufmännische Betriebsleiter der Regensburger Stiftungsbrauerei Bischofshof zum Abschluss der Sanierung. Weil die Reste des Legionslagers heute Teil des Hotels 'Bischofshof am Dom' sind, habe die Brauerei eine besondere Verantwortung für den Erhalt verspürt. Beck leitete und koordinierte das Projekt Porta Praetoria.
Erstmals ist jetzt auch das Innere des historischen Römertors für Besucher zugänglich: Ein 3D-Modell erklärt dort die große Geschichte Regensburgs als römische Festung sowie die faszinierende 'Welt der Steinquader'. Vor der Porta Praetoria ist eine kleine Piazza im römischen Stil zum Verweilen entstanden. Damit ist der 2.000 Jahre alte Zeitzeuge jetzt auch bestens gerüstet für den Besucheransturm, der ab dem kommenden Jahr noch einmal deutlich anschwellen dürfte: Das römische Legionslagertor liegt nur wenige hundert Meter entfernt vom neuen 'Museum der Bayerischen Geschichte', das im Mai 2018 in der Regensburger Altstadt eröffnet.