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Wie wirken Schadstoffe auf Insekten?

|   Regensburg

REGENSBURG. Pestizide, Bremsabrieb von Reifen, schadstoffhaltige Baustoffe – das sind nur einige Stoffe, die unserer Umwelt nicht guttun. Aber wie wirken sie sich auf Tiere, Pflanzen und deren Lebensraum aus? Um das herauszufinden, hat das Bayerische Landesamt für Umwelt im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz den Projektverbund "BayÖkotox ? Ökotoxikologische Bewertung von Stoffen in der Umwelt" ins Leben gerufen.

Dieser soll erfolgversprechende Strategien zur ökotoxikologischen Bewertung von Stoffen, Stoffgemischen bzw. Stoffeinträgen in die Umwelt entwickeln. Von sechs Teilprojekten übernimmt die Universität Regensburg zwei – beide innerhalb des Schwerpunktthemas Schutz von Insekten: Am Institut für Zoologie wird zum einen der Einfluss von Insektengiften auf die Partner- und Wirtsfindung von parasitischen Wespen und zum anderen die Verunreinigungen in Bienenwachs untersucht. Die bewilligte Fördersumme für beide Teilprojekte beläuft sich auf rund 440.000 Euro.

„Insektengifte werden im Bereich des Pflanzenschutzes weltweit großflächig eingesetzt. Sie können aber auch schädliche Auswirkungen auf nützliche Insekten, wie parasitische Wespen, haben“, erklärt Prof. Dr. Joachim Ruther. Als natürliche Feinde anderer Insekten helfen parasitische Wespen, das ökologische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. In dem Teilprojekt Einfluss von Insektengiften auf die Partner- und Wirtsfindung erforschen Prof. Ruther und sein Team die sogenannten subletalen (d. h. nicht tödliche, aber langfristig schädliche) Effekte von vier Insektiziden auf die Partner- und Wirtsfindung von parasitischen Wespenarten. Außerdem untersuchen die Wissenschaftler, ob Insektizide über die Nahrungskette in wirksamen Dosen in parasitische Wespen gelangen können. Mit den Erkenntnissen könnten künftig Zulassungsverfahren für Insektizide verbessert werden.

In einem weiteren Teilprojekt untersucht Prof. Dr. Erhard Strohm gemeinsam mit Prof. Ruther die Verunreinigungen in Bienenwachs. Das „Bienensterben“ ist bereits seit Längerem ein Thema. Die Ursachen dafür konnten bisher jedoch noch nicht vollständig geklärt werden. „Wir wollen herausfinden, ob Pflanzenschutzmittel und andere Umweltchemikalien, die sich im Bienenwachs anreichern, negative Effekte auf die Gesundheit der Honigbiene haben“, so Prof. Strohm. Die Schadstoffe im Bienenwachs sollen an verschiedenen Standorten in ganz Bayern erfasst werden. Dabei vergleichen die Wissenschaftler konventionell und biologisch bewirtschaftete Standorte bezüglich der Anreicherung von Umweltchemikalien in Bienenwachs und erforschen die Auswirkungen von belastetem Wachs auf die Gesundheit und die Leistung von Bienenvölkern.

Projektverbund "BayÖkotox ? Ökotoxikologische Bewertung von Stoffen in der Umwelt"
Durch die moderne Industriegesellschaft gelangen immer mehr Stoffe und Partikel in die Umwelt, die unter Umständen langfristig in der Umwelt bleiben und schädliche Effekte haben. Welche Auswirkungen diese Stoffe haben, untersucht der Projektverbund "BayÖkotox ? Ökotoxikologische Bewertung von Stoffen in der Umwelt". Der Projektverbund besteht aus sechs Teilprojekten, die sich in die drei Schwerpunktthemen Schutz von Insekten, luftgetragene Schadstoffe aus dem Verkehr und Ausgangsstoffe für Baumaterialien zusammenfassen lassen. Durch die Verbundforschung können sich die einzelnen Teilprojekte miteinander vernetzen. Dieser Austausch fördert Synergieeffekte. Konzipiert wurde der Projektverbund vom Bayerischen Landesamt für Umwelt im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz. Er hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird vom Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz mit einer Summe von insgesamt etwa 2,1 Millionen Euro finanziert.

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Honigbiene auf Blüte (Foto: © Prof. Dr. Erhad Strohm)
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