Arbeiten in Großbritannien: Erfolgreich mit Deutsch und Englisch nach dem Brexit?

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OBERPFALZ. Gerade für Beschäftigte im Finanzsektor galt Großbritannien lange Zeit als attraktiver Ort, um die Karriere voranzutreiben. Die Börsen in Frankfurt und in London stellen zwei der wichtigsten Finanzplätze in Europa dar. Ein reger wirtschaftlicher Austausch zwischen Deutschland und dem UK war die Folge. Solange der Inselstaat Mitglied der EU war, stellte das kein Problem dar. Denn als EU-Bürger hatten Deutsche automatisch das Recht, sich in England niederzulassen und einen Beruf auszuüben.

Dasselbe galt natürlich auch umgekehrt.  Seit die Briten 2016 den Austritt aus der EU beschlossen haben, verhalten sich Arbeitnehmer deutlich vorsichtiger. Ob sie nach Ende der Übergangsperiode in Großbritannien verbleiben können, ist unsicher. Denn im Falle eines harten Brexits ist durchaus denkbar, dass sie ihre Aufenthaltserlaubnis verlieren. Ist die Arbeit im Vereinigten Königreich für Deutsche Arbeitnehmer eine langfristige Karrierechance oder eine Sackgasse? Das hängt sowohl von den politischen Entwicklungen als von den beruflichen Qualifikationen ab.

Sprachbarrieren überwinden für den Erfolg

Selbst wenn im Rahmen des Brexits einige EU-Bürger Großbritannien verlassen müssen, dürfte das bei weitem nicht jeden Einzelnen betreffen. Wer eine feste Anstellung hat und wertvolle Arbeit für ein Britisches Unternehmen leistet, dürfte dafür ein Arbeitsvisum bekommen. Allerdings dürfte sich der Konkurrenzdruck unter Expats erhöhen. Viele setzen daher auf berufliche Weiterqualifizierung, um ihre Chancen am Arbeitsmarkt zu erhöhen. Viele Berufstätige, die Deutsch und Englisch für den beruflichen Erfolg lernen, setzen dabei auf eLearning-Angebote wie Unterricht und Nachhilfe per Videochat. Der bürokratische Aufwand für britische Unternehmen, die Stellen mit Ausländern besetzen wollen, dürfte in Zukunft steigen. Um gegenüber einheimischen Kandidaten bestehen zu können, sollten Bewerber dann neben ihren Fachkenntnissen auch eine hohe sprachliche Kompetenz vorweisen können.

Expats haben es im Moment schwer

Für Menschen, die bereits als Expats arbeiten, ist die Lage seit Jahren unsicher. Dabei ist es egal, ob es sich um EU-Arbeitnehmer in Großbritannien oder um britische Arbeitnehmer in der EU handelt. Ohne Klarheit über die endgültigen Brexit-Konditionen können sie ihre Zukunft nur kurzfristig planen. Das stellt eine erhebliche psychologische Belastung dar. Entsprechend groß ist der Ärger unter den Expats. Sie haben im Vertrauen auf die EU ihren Arbeitsplatz und ihren Lebensschwerpunkt über Grenzen hinweg verlegt und sind nun enttäuscht. Einige von Ihnen haben sich bereits kurz nach dem Referendum entschlossen, wieder in ihr Heimatland zurückzukehren. Andere harren aus, in der Hoffnung, dass sich EU und Großbritannien letztendlich eine günstige Regelung treffen.

Es herrscht weiterhin Unklarheit

Wie es weitergeht, wenn die Übergangsphase zu Ende ist, bleibt auch nach dem Brexit am 31. Januar 2020 unklar. Erzielt die Regierung von Boris Johnson eine Einigung mit der EU, bleiben einschneidende Veränderungen unter Umständen aus. Im Falle eines harten Brexit sagen viele Beobachter eine Abwanderung von Firmen aus dem UK in die EU voraus. In diesem Fall wäre es möglich, dass zukünftig zahlreiche Arbeitskräfte aus Britannien um einen Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland bemühen. Andere Beobachter sehen hingegen neue Chancen für den Standort Großbritannien. Denkbar wären etwa Handelsabkommen mit Staaten wie den USA, die während der EU-Mitgliedschaft nicht möglich waren. Bis die volle Tragweite des Brexits klar wird, dürften jedenfalls noch einige Jahre vergehen.

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Foto: © kalhh / Pixabay.com