Fragwürdiges Medikament gegen Liebeskummer auf dem Markt

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OBERPFALZ. Liebe kann wehtun, keine Frage. Laut dem Sozialpsychologen und Betreiber der Website exzurueckexperte.de , Boris Bergmann, schmerzt die Zurückweisung durch den Partner sogar schlimmer als gebrochene Knochen: „Tatsächlich zeigt die Forschung, dass Menschen sogar körperliche Schmerzen der sozialen Ausgrenzung vorziehen. Anscheinend liegt dies daran, dass der soziale Verlust/die soziale Ablehnung den vorderen Singularkortex stärker aktiviert als die körperlichen Schmerzen.“

Warum also nicht auch ein gebrochenes Herz mit Schmerzmitteln behandeln? Das dachte sich auch ein bekannter Nahrungsergänzungsmittelhersteller, der mit seiner Pille namens „Amorex“ den Liebeskummer effektiv bekämpfen will. Die Wirkung sei angeblich wissenschaftlich bestätigt, mit Nebenwirkungen nicht zu rechen. Handelt es sich bei dem Medikament also um einen medizinischen Durchbruch?

Keine wissenschaftlichen Beweise

Nicht wirklich, denn einen Beweis dafür, dass das Medikament Herzschmerz tatsächlich lindert, gibt es nicht. Lediglich eine einzige Studie findet sich zu der Frage, ob der enthaltene Wirkstoff 5-Hydroxytryptophan bei Liebeskummer hilft. 15 Personen erhielten dabei nach einer ungewollten Trennung über sechs Wochen zweimal täglich 12,8 mg 5-HTP. Den Autoren der Studie zufolge war die Belastung durch Liebeskummer am Ende dieser Zeit angeblich deutlich geringer als vor Studienbeginn. Jedoch wurde nicht untersucht, ob der Trennungsschmerz auch ohne eine Behandlung mit 5-HTP abgenommen hätte. Auch ein Vergleich mit unbehandelten Versuchspersonen wurde nicht unternommen. Bei genauerer Betrachtung sind die Ergebnisse der Studie also nicht geeignet, die Wirksamkeit des Medikaments zu beweisen.

Gut belegt sind hingegen die möglichen Nebenwirkungen, die durch den Hauptbestandteil der Pillen ausgelöst werden können. 5-HTP wird unter anderem mit Übelkeit und Erbrechen in Verbindung gebracht, seltener können auch Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Herzrasen die Folge sein. Nicht bewiesen ist die Annahme, der Wirkstoff könnte ursächlich für die seltene, aber sehr ernste Erkrankung EMS (Eosinophilie-Myalgie-Syndrom) sein.

Amorex kein Ersatz für Therapie

Natürlich ist es möglich, dass es allein durch einen Placebo-Effekt zu einer Verbesserung der Liebeskummer-Symptome kommt. Doch bei einem gebrochenen Herzen oder der plötzlichen Trennung von einem geliebten Partner handelt es sich um einschneidende Ereignisse im Leben eines Menschen, die gegebenenfalls schwere psychische Probleme zur Folge haben können. Bei einer langandauernden, gravierenden seelischen Belastung sollte auf eine Selbstbehandlung mit Präparaten wie Amorex verzichtet werden. Stattdessen sollten Betroffene den Rat eines Psychiaters oder Psychologen suchen.

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Foto: © Catkin / Pixabay.com