REGENSBURG. (obx) - Für Ostbayerns Unternehmen birgt die notwendige Energie- und Klimawende enorme Chancen. Das ist die Botschaft, die vom diesjährigen Jahresempfang der ostbayerischen Wirtschaft ausgeht: Ostbayerns Handwerkspräsident Dr. Georg Haber stellte dabei besonders die wichtige Rolle des Handwerks bei der Energiewende heraus. "Der Ausbau der Erneuerbaren Energien und die generelle Steigerung der Energieeffizienz - das alles ist ohne das Handwerk schlichtweg nicht zu machen", sagte er.
Der Bestand an Wärmepumpen solle nach Plänen der Bundesregierung bis zum Jahr 2030 von derzeit 1,45 auf sechs Millionen Anlagen wachsen. "Wer soll die einbauen, wenn nicht unsere Fachkräfte im Bereich Sanitär, Heizung und Klimatechnik?", so Haber weiter. Das Erreichen der Klimaschutzziele erfordere einerseits ein hohes Tempo und ehrgeizige Ziele. Andererseits dürften die Finanzierbarkeit und die Rentabilität einzelner Maßnahmen sowie die dringend notwendige Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft nicht aus den Augen verloren werden: "Eine Gratwanderung, die von uns allen große Anstrengungen verlangen wird", sagte der HWK-Präsident.
Dennoch ist der Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz zuversichtlich. "Handwerk hat nicht nur goldenen, sondern auch grünen Boden. Handwerkerinnen und Handwerker sind quasi schon von Berufs wegen Klimaschützer", betonte er. In rund 30 Gewerken arbeiteten heute laut Zentralverband des Deutschen Handwerks rund 450.000 Handwerksbetriebe mit fast zweieinhalb Millionen Beschäftigten am Klimaschutz. "Unsere Betriebe, unsere gut ausgebildeten Fachkräfte, werden die Energiewende stemmen, davon bin ich fest überzeugt", so Haber.
Festredner Professor Dr.-Ing. Michael Sterner von der OTH Regensburg wies in seinem Vortrag mit dem Titel "Ökonomie und Ökologie - kein Widerspruch in der Energiewende zur Unabhängigkeit von Kohle, Öl und Gas" besonders auch auf den Fachkräftemangel hin. "Die technischen Herausforderungen der Energiewende sind zu meistern, aber die größte Herausforderung sind qualifizierte Arbeitskräfte", so der Wissenschaftler. "Daher ist es wichtig, dass wir die Jugend nicht nur für den Klimaschutz auf der Straße, sondern auch in unseren Handwerks- und Industriebetrieben und Hochschulen für technische Berufe gewinnen, die den Klimaschutz umsetzen, den alle wollen und zum Überleben brauchen", verdeutlichte Professor Sterner.
Der Energiespezialist machte sich für grünen Strom stark. Der Atomausstieg lasse viel Platz im Netz für Wind- und Solarstrom, "der das größte Potenzial zu den günstigsten Stromkosten beim geringsten Flächenverbrauch bietet". Dieser ökonomisch und ökologisch nachhaltige Strom werde zukünftig immer mehr auch über Wärmepumpen, Wasserstoff und E-Fahrzeuge in der Wärmeversorgung und Mobilität benötigt.