Über den Wolken: Wenn der Bayerische Wald im Herbst Weitblick schenkt

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REGENSBURG. (obx) - Unten verschwindet die Landschaft im Nebel, oben reicht der Blick plötzlich bis zu den Alpen: Der Herbst beschert Wanderern und Radfahrern im Bayerischen Wald besondere Aussichten. Wenn sich in den Tälern der Dunst hält und auf den Höhen die Sonne scheint, ragen die Gipfel aus einem weißen Nebelmeer. Dazu leuchten die Wälder in Grün, Ocker und Rot. Der Herbst ist die Jahreszeit, in der Deutschlands älteste Nationalparkregion zu einem ganz besonderen "Freiluftrevier" wird.

Mehr als 130 Gipfel über 1.000 Meter zählt der Bayerische Wald. Zusammen mit dem Šumava auf tschechischer Seite bildet er das größte zusammenhängende Waldgebirge Mitteleuropas. Gerade im Herbst zeigt sich, was diese Landschaft besonders macht: Die klare Luft eröffnet auf den Höhen weite Blicke über Waldwoge um Waldwoge - bei guten Bedingungen bis zur Alpenkette im Süden.

Einer der ungewöhnlichsten Logenplätze ist der 1.373 Meter hohe Lusen im Nationalpark Bayerischer Wald. Sein Gipfel ist kein klassischer Berggipfel, sondern ein gewaltiges Blockmeer aus Granit. Der Sage nach soll der Teufel dort einen Goldschatz mit Felsbrocken bedeckt haben. Tatsächlich entstand die bizarre Landschaft über Jahrtausende durch Verwitterung.

Wer hinaufsteigt, erlebt auf wenigen Kilometern den Wandel der Landschaft: vom dichten Wald über zunehmend lichte Flächen bis zum steinernen Gipfel. Oben wartet statt Goldschatz ein Panorama, das im Herbst oft besonders weit reicht.

Wer länger unterwegs sein will, findet mit dem Goldsteig einen der bekanntesten Fernwanderwege Deutschlands. Historische Pfade und Pilgerwege führen ebenfalls durch die Region. Und manchmal genügt als Ziel auch ein Berggasthof mit einer Brotzeit.

Auch Radfahrer können sich den Herbst erfahren. Die Trans Bayerwald durchquert die Region auf rund 700 Kilometern. Die Mountainbike-Route verbindet Höhenzüge, Täler und Wälder, anspruchsvolle Passagen und aussichtsreiche Etappenziele. Gemächlicher geht es auf den Radwegen entlang der Flüsse und durch die Kulturlandschaften am Rand des Waldgebirges zu. Wenn morgens noch Nebel über den Wiesen liegt und die ersten Sonnenstrahlen durch die Baumkronen fallen, wird dabei selbst die Anfahrt zum Naturerlebnis.

Der Herbst im Bayerischen Wald hat aber nicht nur seine eigene Farbe, sondern auch einen eigenen Klang. Rund um Martini im November beginnt vielerorts das Wolfauslassen. Hunderte große Kuhglocken werden dabei rhythmisch geschüttelt - "geriegelt", wie es im Bayerischen Wald heißt.

Der Brauch erinnert an die Zeit, als Hirten mit Glocken und Peitschen das Vieh von den Waldweiden zurück in die Ställe brachten und zugleich wilde Tiere fernhalten sollten. Heute ziehen Wolfauslasser und Goaßlschnalzer durch zahlreiche Orte. Der jahrhundertealte Brauch gehört inzwischen zum immateriellen Kulturerbe Bayerns. Infos: www.bayerischer-wald.de

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Nationalpark Bayerischer Wald - Rachel - Goldsteig. Foto: obx-news/Tourismusverband Ostbayern/Florian Eichinger